Erdgeschichte, Salamander und Weitblicke: Runde über den Dächern von Klingenberg
- 30. Apr. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Mai
Durch die Schlucht der Salamander hinauf zu Weinbergen und Burgruinen
Es gibt Orte im Spessart, die besitzen einfach eine ganz besondere Anziehungskraft. Das Rotweinstädtchen Klingenberg am Main ist genau so ein Pflaster! Zusammen mit guten Freunden ging es für uns vom Winzerfestparkplatz aus auf eine geniale Genussrunde, die direkt mit einem absoluten Knaller startet: der mystischen Seltenbachschlucht.
Auf knapp 9 Kilometern wanderten wir hier durch 250 Millionen Jahre Erdgeschichte, folgten den Spuren des berühmten Klingenberger Tons und erklommen den Aussichtsturm am Wanderheim für einen atemberaubenden Blick über das Maintal. Über den geschichtsträchtigen Esskastanienlehrpfad und vorbei an alten Sandsteinterrassen führte uns der Weg schließlich mitten durch die Klingenberger Weinberge bis zur geschichtsträchtigen Ruine Clingenburg. Kommt mit auf eine abwechslungsreiche Tour, die von tiefen, schattigen Schluchten bis hin zu sonnenverwöhnten Rebhängen alles zu bieten hat!
🧭 Kurzübersicht der Tour
🚩 Ausgangsort und Ziel: Klingenberg (Standort)
🥾 Typ: Rundwanderung
🕒 Gehzeit: ca. 2,5 Stunden
⛰️ Höhendifferenz: ↑ 200m ↓ 200m
📏 Weglänge (gesamt): ca. 9,2 km
🚗 Anfahrt: Winzerfestparkplatz - Parken: Mo-Fr 9-18 Uhr und Sa 9-13 Uhr, 4 Stunden kostenlos; Sonntags kostenlos
🚆 ÖPNV: Bahnhof Klingenberg
💪 Schwierigkeit: mittel
Es gibt wunderschöne Orte im Spessart, die auf mich eine besondere Anziehungskraft ausüben. Einer davon ist das Rotweinstädtchen Klingenberg am Main, das sich unterhalb der Ruine Clingenburg, zwischen Main und Weinberge schmiegt.
Heute treffen wir uns mit guten Freunden am Winzerparkplatz in Klingenberg, auf dem einmal im Jahr im August das bekannte Winzerfest stattfindet. Nach der Begrüßung geht es es los. Wir laufen auf das Klingenberger Stadtschloß zu, links davon gehen wir durch einen Torbogen und überqueren danach die Straße. Hier halten wir uns rechts, nach 100 m biegen wir nach links ab und kommen in den alten Rosengarten, dieser gehörte zum Stadtschloss und umfasste mal eine Fläche von 8000 qm. Leider ist noch keine Rosenblüte, aber auch so macht der Garten einen tollen Eindruck. Auf der östlichen Seite verlassen wir den Ort, vorbei an der Sparkasse kommen wir wieder an die Straße, sehen auf der gegenüberliegenden Seite das große Parkschild mit der Aufschrift "Schlucht". Wir folgen der Straße, passieren den in den Sandstein gehauenen Eiskeller, der damals den ortsansässigen Brauereien als "Kühlschrank" für das Bier 🍺diente und kommen zum Eingang der Seltenbachschlucht.
Die Seltenbachschlucht oder auch Schlucht der Salamander ist in den Eiszeiten entstanden und zählt zu den 100 schönsten Geotopen in Bayern. Durch diese Schlucht zu wandern bedeutet, man wandert durch 250 Millionen Jahre Erdgeschichte.
Warum heißt sie auch "Schlucht der Salamander"? Durch den Bach, der dortigen Bodenfeuchte und das viele Totholz fühlen sich Salamander sehr wohl. Die Schlucht beherbergt deshalb eine der bedeutendsten Vorkommen dieser Amphibienart!
Ein Pfad bringt uns in die Schlucht, es wird mit einem Mal kühler und dunkler. Kleine Brücken und Stege queren mehrfach den Seltenbach, dem die Schlucht ihren Namen verdankt. Farne, Sträucher und moosbewachsene Bäume begleiten unseren Weg durch die ca. 1,6 km lange Schlucht. Es ist ein tolles Erlebnis, diese tiefe Schlucht zu durchwandern. Langsam weitet die Schlucht sich etwas und wir gelangen an eine Straßenbrücke, dort halten wir uns rechts, am Ende des Pfades steigen wir über Treppenstufen hoch und gelangen zur Straße. Dort halten wir uns rechts und erreichen das stillgelegte Tonwerk. Hier wurde bis 2011 der Klingenberger Ton abgebaut. Dieser ging z. B. als Bleistiftton in die ganze Welt.
Nun laufen wir für ca. 400 m die Straße entlang, bis wir das Schild "Holzofenweg" sehen. Wir folgen nach rechts dem Wegweißer und marschieren auf einem Schotterweg, den wir bald darauf auf einem schönen Pfad verlassen. Dieser bringt uns zur "Dreimärkerschutzhütte", in der Hütte finden wir ein Hüttenbuch, in das wir uns eintragen. Jetzt richten wir uns nach dem Wegweißer "Wanderheim Aussichtsturm", der uns den Weg zu unserem Einkehrziel dem Klingenberger Wanderheim zeigt. Nach ca. 500 m verlassen wir den Schotterweg und laufen auf einem schönen Pfad, an dessen Ende wir zum Gedenkstein der Toten des Spessartbundes kommen. Hier nehmen wir den Weg nach rechts und gelangen bald zum Aussichtsturm und dem dahinter liegendem Wanderheim. Wir entscheiden uns erst auf den Turm hochzusteigen. Die hölzerne Treppe des Turms bringt uns nach oben. Ein atemberaubender Blick über das Maintal und in den Odenwald erwartet uns. Nach dem Abstieg freuen wir uns auf das Essen, da der kleine Hunger an uns nagt 😉.
Nachdem wir gut gegessen und getrunken haben, laufen wir unterhalb des Aussichtsturms die Treppe hinunter und biegen nach links auf den Esskastanienlehrpfad ein. Dieser führt uns durch angepflanzte Maronenflächen. Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurden auf einer Fläche größer als 10 Hektar Maronenbäume angepflanzt. Es ist ein schöner Pfad hoch über dem Maintal. Die Maronenbäume sind um diese Jahreszeit noch nicht ausgeschlagen. Daran merkt man, dass eine Esskastanie keine heimische Baumart ist und mehr Wärme braucht, als heimische Baumarten. Bald lassen wir den Esskastanienlehrpfad hinter uns, der Pfad führt uns aber weiter, nun durch schönen Laubmischwald. Als wir auf einen Schotterweg treffen, biegen wir scharf rechts ab und erblicken kurz darauf "Oskars Waldhütte", die leider heute eine geschlossene Gesellschaft beherbergt und wir somit um unseren Kaffee kommen 😒.
Also gut! Weiter geht's. Wir laufen kurz bergab, bis wir auf den Mainwanderweg (Wegweißer M) treffen. Hier biegen wir rechts ab und laufen durch ein Waldstück mit vielen alten Sandsteinmauern, die terrassenförmig angelegt wurden. Kurz bevor wir den Wald verlassen, entdeckt mein Kumpel noch einen schwarzen Käfer mit langen Fühlern. Dabei handelt es sich um den "kleinen Eichenbock", der leider auch in seinem Bestand immer weiter abnimmt.
Gleich darauf wandern wir durch die Klingenberger Weinberge und sehen, dass durch den Frost der letzten Tage ein Großteil der Reben leider erfroren sind.
Wir genießen die schönen Ausblicke von hier oben und kommen alsbald zur Ruine Clingenburg. Die Burg wurde im 12. Jahrhundert vom Mundschenk Kaiser Friedrich Barbarossas erbaut. Als unten in Klingenberg das Stadtschloß erbaut wurde, hatte die Burg ihren Nutzen verloren und verfiel. Später fanden dort in unregelmäßig Abständen Burgspiele und Theateraufführungen statt. Leider musste der Trägerverein Ende 2019 Insolvenz anmelden. Seitdem gibt es kein Clingenburg-Festspiele mehr.
Von der Ruine führt uns ein Pfad abwärts, hinunter in die schöne Klingenberger Altstadt. Diese durchstreifen wir noch kurz, bevor wir wieder auf dem Parkplatz ankommen. Dort entscheiden wir, dass wir unseren ausgefallenen Kaffee gegenüber am Main-Café doch noch trinken.
Fazit:
Klingenberg liefert einfach jedes Mal ab! Diese Rundwanderung ist ein absoluter Traum für alle, die Abwechslung suchen. Das absolute Highlight ist und bleibt die Seltenbachschlucht – das kühle, moosige Mikroklima und die urigen Holzstege sind Naturgenuss pur. Dass die Route danach mit dem Aussichtsturm, dem Esskastanienpfad und den Weinbergen gleich Schlag auf Schlag weitere Highlights bereithält, macht die Runde extrem kurzweilig.
Auch kulinarisch wird man bestens versorgt: Die zünftige Einkehr im Klingenberger Wanderheim hat den Akku perfekt geladen, und auch wenn wir bei Oskars Waldhütte wegen einer geschlossenen Gesellschaft Pech hatten, hat das finale Stück Torte im Main-Café den Tag perfekt abgerundet. Einziger Wehrmutstropfen war der Anblick der Weinreben, denen der Spätfrost ordentlich zugesetzt hat.
Einkehrmöglichkeiten:
Wanderheim Klingenberg
Oskars Waldhütte
Restaurant Burgterrasse Clingenburg
Main-Café
Meine Tour auf Komoot
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Jeder der meinen Wanderungen folgt, tut dies auf eigenes Risiko. Nehmt bitte immer ausreichend Getränke und Essen mit.
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