Auf geheimen Pfaden von Bahnhof zu Bahnhof: Zweitages-Abenteuer auf dem Josef-Braun-Weg im Spessart
- 25. Okt. 2024
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Mai
Eine echte Entdeckung, tierische Begegnungen und die Lärchenallee
Manchmal stöbert man bei einer ganz anderen Wanderung auf eine Informationstafel und weiß sofort: Das wird mein nächstes Projekt! Genau so erging es mir mit dem eher unbekannten Josef-Braun-Weg. Benannt nach dem langjährigen Vorsitzenden des Spessartbundes und Aschaffenburger Forstdirektor, verspricht dieser rund 40 Kilometer lange Weg eine geniale Streckenwanderung von Bahnhof zu Bahnhof. Und was eignet sich besser für so ein Vorhaben als ein knackiges herbstliches Wochenende?
Was ich auf den zwei anspruchsvollen Etappen von Laufach nach Collenberg erlebte, war Spessart-Vielfalt par excellence. Der erste Tag glänzte mit geschichtsträchtigen Hohlwegen, dem tiefen Naturwaldreservat Kreuzbuckel und einer absoluten kulinarischen Premiere: Parasolschnitzel auf dem Limousinhof! Nach einer Kaffeepause am Hohe-Wart-Haus und einer tollen Überraschungs-Begleitung durch meinen Kumpel Markus fütterten wir Esel im Abendrot und ließen den Tag im Panoramahotel Heimbuchenthal ausklingen. Tag zwei startete spektakulär mit einer traumhaften Lärchenallee und dem grandiosen Rundblick vom Ludwig-Keller-Turm auf der Geißhöhe, bevor mir im wilden Unterholz der Atem stockte: Ein echter Mufflon-Widder stand plötzlich Auge in Auge vor mir! Kommt mit auf einen packenden Geheimtipp-Cross durch den goldenen Herbst!
Wissenswertes:
Josef Braun war von 1970–91 Vorsitzender des Spessartbundes und wurde anschließend zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Beruflich war er als Forstdirektor bis zu seiner Pensionierung 1982 in Aschaffenburg tätig. Er war nach der damaligen Neuordnung der Bayerischen Staatsforsten mit der Leitung des Aschaffenburger Forstamtes betraut.
Am 3. März 2006 verstarb er im Alter von 89 Jahren.
Dieser Weg wurde am 5. Nov. 1999 – also noch zu Lebzeiten – vom Aschaffenburger Landrat Herrn Roland Eller am Wanderheim in Waldaschaff der Öffentlichkeit übergeben. Er führt, am Bhf in Laufach beginnend (auch mit Start und Ziel im Ortszentrum Laufach markiert) über Waldaschaff, die Hohe Warte, Neuhammer, Geishöhe mit dem Ludwig-Keller-Turm des Spessartbundes zum Bahnhof nach Collenberg und ist ca. 38 km lang.
Quelle: Spessartbund
Wegweiser des Johann-Braun-Weges

🧭 Kurzübersicht der Tour
🚩 Ausgangsort: Bahnhof Laufach
🏁 Ziel: Bahnhof Collenberg
🏡 Zwischenziel & Übernachtung: Panoramahotel in Heimbuchenthal
🥾 Typ: Mehrtagestour (2 Etappen)
📏 Weglänge (gesamt): ca. 40 km (reiner Josef-Braun-Weg: 38 km)
⛰️ Höhendifferenz (gesamt): ↑ 1.040 m ↓ 1.070 m
💪 Schwierigkeit: schwer
🥾 Die Etappen im Fokus:
Etappe 1 (Laufach – Heimbuchenthal): ca. 21,4 km | 🕒 ca. 5 Std. | ↑ 590 m ↓ 460 m
Etappe 2 (Heimbuchenthal – Collenberg): ca. 18,3 km | 🕒 ca. 4,5 Std. | ↑ 460 m ↓ 610 m
🚆 An- & Abreise: Ein riesiger Pluspunkt der Tour! Die Anreise zum Bahnhof Laufach und die Rückreise vom Bahnhof Collenberg klappen absolut entspannt und umweltfreundlich mit dem Zug.
Etappe 1: Vom Bahnhof in Laufach nach Heimbuchenthal
Ich komme mit dem Zug von Aschaffenburg nach Laufach. Beim Verlassen des Bahnhofs suche ich als erstes die Markierung des Josef-Braun-Weges, das rote Kreuz auf weißem Grund. Dieser Markierung folge ich durch Laufach hindurch. Über eine Treppe verlasse ich den Ort und gehe bergauf. Immer wieder habe ich einen tollen Blick auf Laufach. Am Waldrand wandere ich oberhalb des Ortes entlang und komme bald zu einer schönen Ruhebank. Daneben finde ich eine Infotafel über die Weltrekordfahrt der Brüder Alfred und Kurt Wegener, die 1906 von Reineckendorf bei Berlin aus zu einer Weltrekordfahrt mit einem Heißluftballon starteten und hier bei Laufach landeten.
Von hier geht es nun bergauf in den Wald, auf schönen Waldwegen folge ich dem Wegweiser durch den herbstlichen Spessartwald den Berg hinauf. Nach ca. 2,3 km steigt der Josef-Braun-Weg sehr steil an. Oben angekommen muss ich erst einmal verschnaufen. Jetzt geht es steil bergab nach Waldaschaff. Ich laufe auf einem schönen Weg durch einen alten Laubwald. Am Waldaschaffer Waldkindergarten trete ich aus dem Wald heraus und habe einen tollen Blick über den Ort bis zur neuen Kauppenbrücke der A3. Durch Streuobstwiesen gelange ich in den Ort. Vorbei an der Kirche und der Dorfmitte gehe ich auf der gegenüberliegenden Seite wieder aus dem Ort heraus. Am einladenden Waldaschaffer Wanderheim mache ich eine kurze Rast. Am Wanderheim steht ein Gedenkstein für Josef Braun, leider ist dieser inzwischen ziemlich zugewachsen. Jetzt wird es laut, wegen des Verkehrs auf der A3. Durch einen großen Tunnel unterquere ich die Autobahn und laufe ein Stück parallel auf der gegenüberliegenden Seite, bevor ich wieder in den Wald komme. Dort führt der Josef-Braun-Weg durch einen alten Hohlweg den Berg hinauf. Es geht weiter bergauf. Bald erreiche ich das Naturwaldreservat Kreuzbuckel. Für mich ist es immer wieder faszinierend zu sehen, wie sich der Wald ohne Eingriffe des Menschen entwickelt. Auf diesem Weg ist das besonders gut zu sehen. Links des Weges das Naturwaldreservat, rechts des Weges Wirtschaftswald. Nach dem Naturwaldreservat führt mich der Almosenpfad hinunter zur Staatsstraße. Dieser Weg muss früher ein wichtiger Wirtschaftsweg im Spessart gewesen sein, denn er ist stellenweise mit Steinen gepflastert. Nach Überquerung der Straße gelange ich zu meinem Einkehrziel, dem Limousinhof. Was steht auf der Speisekarte? Hier gibt es Parasolschnitzel ! Das habe ich noch nie auf einer Speisekarte gesehen. Wie lecker 🤤!
Nach dem ausgezeichneten Essen unterhalte ich mich noch eine Weile mit den Wirtsleuten, bevor ich weiterlaufe. Es geht hinauf zur schönen Kapelle von Hessenthal. Die Blätter der alten Kastanienbäume, die vor der Kapelle stehen, färben sich herbstlich. Nach dem Fußballplatz von Hessenthal wende ich mich nach links und folge dem Wegweiser. Der Josef-Braun-Weg führt oberhalb von Hessenthal entlang. Nach kurzer Zeit geht es rechts steil bergauf. Oben angekommen biege ich links ab, vorbei an der Schutzhütte des Naturparks Spessart. Über Felder gelange ich in den Wald und kurz darauf zum Wanderparkplatz "Hohe Wart" Leider bin ich jetzt auf der Asphaltstraße, die zum Hohe-Wart-Haus führt, gelandet. Dieser folge ich und kurz vor dem Gasthaus komme ich nochmal auf einen Pfad , der mich durch den Wald zum Haus bringt. Im Hohe-Wart-Haus ist wieder die Hölle los, so dass ich mich für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen entscheide, die ich draußen zu mir nehme.
Nach dieser kurzen Kaffeepause wandere ich weiter. Von der Hohen-Wart geht es auf einem schönen Waldweg weiter. Viele bunte Blätter liegen schon auf dem Boden. So macht Wandern im Herbst Spaß! Unterwegs erhalte ich einen Anruf von meinem Freund Markus, er möchte ab Volkersbrunn mitwandern und mich bis zum Panoramahotel begleiten. Das ist eine schöne Überraschung und ich freue mich. So laufe ich voller Vorfreude weiter. Bald komme ich aus dem Wald und sehe rechts Volkersbrunn. Oberhalb des Dorfes gehe ich weiter, links kommt bald die Volkersbrunner Kapelle in Sicht und kurz darauf setze ich mich auf die Bank an der Straße, die Markus und ich als Treffpunkt ausgemacht haben.
Die letzten 3 km der ersten Etappe legen wir nun gemeinsam zurück. Vorbei an Pferde-koppeln erreichen wir bald eine Koppel mit drei Eseln. Die lustigen Drei kommen sofort angerannt und lassen sich von uns füttern. Weiter geht es durch Felder und immer wieder haben wir einen schönen Blick auf Heimbuchenthal. Bald erreichen wir den Heimathenhof und steigen das letzte Stück zum Panoramahotel ab. Dort essen wir gemeinsam (sehr gut!), trinken ein Bier und reden über alte Zeiten 😉. Markus macht sich bald auf den Heimweg und ich gehe auf mein Zimmer, um für die morgige Etappe fit zu sein.
Etappe 1 auf Komoot (GPS Download)
Etappe 2: Von Heimbuchenthal nach Collenberg
Nachdem ich gut geschlafen habe, gibt es erstmal ein super Frühstück im Hotel.
Ich schaue nach der Wettervorhersage: Am Nachmittag soll es regnen. Na toll 🙄! Egal, kann es nicht ändern. Nach dem Auschecken mache ich mich auf den Weg. Zuerst geht es wieder bergauf zum Josef-Braun-Weg. Kurz vor dem Heimathenhof sehe ich den Wegweiser, dem ich auf einem Wanderweg bergab folge. Bald erreiche ich einen wunderschönen, von Lärchen gesäumten Weg. Auf diesem Weg hinunter zum Höllhammer stehen die alten, dicken Lärchen alleenartig. Es ist ein Traum. Über eine kurze Treppe steige ich hinunter ins Tal. Dort folge ich dem Wegweiser und gelange zur Staatsstraße, die ich überquere. Der Weg führt nun an der alten Höllhammermauer entlang Richtung Neuhammer. Dort überquere ich die nächste Straße und wandere oberhalb des kleinen Ortes entlang. Kurz darauf geht es steil nach oben. Der Josef-Braun-Weg führt nun stetig bergauf bis zum höchstgelegenen ständig bewohnten Ort im Spessart: Oberwintersbach. Der Wegweiser führt mich über den Hof der Geißhöhe. Vorbei am Gasthaus, das heute leider geschlossen hat, gehe ich zum Ludwig-Keller-Turm. Ich steige die 60 Stufen zur Aussichtsplattform hinauf und genieße den Rundblick über den schönen Spessart. Auf dem Josef-Braun-Weg habe ich nun den höchsten Punkt meiner Wanderung erreicht.
Vom Turm steige ich wieder ab. Unten angekommen halte ich mich links. An einigen Häusern vorbei geht es geradeaus über Felder in den Wald. Dort wende ich mich nach links und stehe gleich darauf vor einem Wildzaun, den ich mit Hilfe einer Leiter überwinden kann. Weiter geht es auf einem Wirtschaftsweg hinunter nach Wildenthal. Plötzlich traue ich meinen Augen nicht 🤓. Da steht ein wilder Mufflon-Widder ca. 20 m vor mir auf dem Weg und starrt mich an. Bis ich die Kamera in der Hand habe, ist er natürlich weg. Nachdem ich mich gefragt habe, ob ich nicht langsam verrückt werde (ich weiß nichts von Mufflons im Spessart), habe ich mal gegoogelt und siehe da, es gibt sie hier wirklich 😃.
Ich wandere weiter. Links unten im Tal steht ein schönes, altes Gebäude. Kurze Zeit später zeigt mir der Wegweiser, dass ich wieder links abbiegen muss. Ich durchquere das Tal und auf der anderen Seite geht es nun leicht bergauf. Hier wird zur Zeit viel Forstwirtschaft betrieben. Ein paar hundert Meter weiter sehe ich, wie ein 40-Tonner Holztransporter gerade kleine Fichtenstämme auflädt. Ich frage mich, ob es wirklich sein muss, dass diese großen, schweren Dinger bis in den letzten Winkel des Spessarts fahren und alles verdichten, nur damit das ganze Holz restlos aus dem Wald geholt werden kann.
Beim Weitergehen treffe ich auf einen Wildzaun, den ich wieder mit Hilfe einer Leiter überklettere. 15 Minuten später bin ich unten im Tal und überquere die Straße zwischen Wildensee und Eschau.
Ich laufe durch das Tal, ein Naturschutzgebiet, in dem der Aulbach plätschert. Den nächsten Kilometer geht es wieder den Berg hinauf. Ein unspektakulärer Wirtschaftsweg. Später passiere ich eine sehenswerte Buche, ein Naturdenkmal. Sie hat eine große Wurzel, die aussieht, als ob sie ein Bein hätte. Nun geht es bergab und es fängt an zu regnen, so wie es vorhergesagt wurde. Bald erreiche ich das nächste Tal, in dem der Fechenbach fließt. An der Lochtelhütte mache ich Rast, um etwas zu essen und den Regen abzuwarten. Leider hört der Regen nicht auf 🙄 und ich beschließe weiterzulaufen. Bis Collenberg gehe ich auf einem breiten Schotterweg. Das Tal ist schön, der Weg nicht so... Na ja, kann auch am Wetter liegen 😉. Von der Hütte bis ins Dorf sind es etwa drei Kilometer. Zieht sich ein bisschen, wenn es regnet. Ich gehe durch den Ort, runter zum Main und erreiche bald darauf den Bahnhof. Zurück nach Hause geht es mit dem Zug.
Damit habe ich den Josef-Braun-Weg geschafft 🥳!
Etappe 2 auf Komoot (GPS-Download)
Fazit: Ein abwechslungsreicher Spessart-Geheimtipp mit starkem Auftakt
Der Josef-Braun-Weg hat mich auf ganzer Linie positiv überrascht! Dass man hier – genau wie bei den großen Spessartwegen – perfekt von Bahnhof zu Bahnhof reisen kann, macht die Tour logistisch unschlagbar. Die erste Etappe ist ein absoluter Traum für Genusswanderer: Sie bietet einen hohen Anteil an wunderschönen Waldwegen, Pfaden und mit dem Limousinhof sowie dem Hohe-Wart-Haus gleich zwei erstklassige Einkehrmöglichkeiten.
Die zweite Etappe startet mit der majestätischen Lärchenallee am Höllhammer und dem 360°-Panorama auf der Geißhöhe ebenfalls bärenstark. Allerdings muss man ehrlicherweise sagen, dass der Weg im weiteren Verlauf und im Fechenbachtal stark von breiten Schotter- und Wirtschaftswegen dominiert wird. Hier merkt man die intensive Aktivität der Holzwirtschaft, was dem Wandererauge besonders bei Regen etwas Durchhaltevermögen abverlangt. Die wildromantischen Täler, die Überwindung der Wildzäune via Leitern und die sensationelle Begegnung mit dem wilden Mufflon machen das Abenteuer aber wieder komplett wett. Eine knackige Zweitagestour mit ordentlich Höhenmetern, die sich absolut lohnt!
💡 Tipp für Nachwanderer: Am ersten Tag könnt ihr euch voll auf die Hütten verlassen, am zweiten Tag solltet ihr euch jedoch unbedingt genügend Rucksackverpflegung einpacken, da die Geißhöhe die einzige Option direkt zu Beginn ist. Genießt das Übernachtungs-Highlight im Panoramahotel Heimbuchenthal – perfekt, um die müden Waden zu regenerieren!
Einkehrmöglichkeiten (direkt am Weg):
Tag 1:
Limousinhof (sehr gut)
Hohe Wart Haus (sehr gut)
Tag 2:
Geishöhe (nicht besucht)
Übernachtet habe ich:
Panoramahotel in Heimbuchenthal (sehr gut)
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